Aufstellungsarbeit

Was sind systemische Familienaufstellungen?

Systemische Familienaufstellungen sind eine Methode aus der Psychotherapie und Beratung, die hilft, verborgene Dynamiken in Familien oder oder anderen sozialen Gruppen sichtbar zu machen. Ziel ist es belastende Muster zu erkennen und zu lösen

Wie funktioniert eine Familienaufstellung?

  • Die Gruppe oder eine Einzelperson: Eine Person bringt ein Anliegen mit – zum Beispiel ein Konflikt, eine emotionale Belastung oder ein wiederkehrendes Problem.
  • Stellvertreter*innen: in einer Gruppe wählen die teilnehmenden Personen aus, die Familienmitglieder oder wichtige Element ( z.B. Gefühle, Symptome) vertreten.
  • Aufstellung im Raum: Diese Stellvertreter*innen werden intuitiv im Raum positioniert. Ihre Haltung, Nähe oder Distanz zueinander zeigen oft überraschende Zusammenhänge.
  • Wahrnehmung und Bewegung: Die Stellvertreter*innen berichten, wie sie sich fühlen. Der/Die Leiter*in der Aufstellung begleitet den Prozess und kann durch gezielte Fragen oder Umstellungen neue Perspektiven ermöglichen.
  • Lösungsbild: Ziel ist es, ein „stimmiges Bild“ zu finden, in dem sich alle Beteiligten besser fühlen – oft mit mehr Klarheit , Ruhe oder Verbindung.

Was kann eine Aufstellung bewirken?

  • Verständnis für familiäre Muster oder Verstrickungen
  • Entlastung bei emotionalen Themen
  • Klärung von Beziehungen ( auch zu sich selbst )
  • Unterstützung bei Entscheidungen oder Lebensfragen

Wichtig zu wissen

  • Eine Aufstellung ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
  • Sie wirkt oft auf einer tiefen, emotionalen Ebene – manchmal auch noch Tage oder Wochen später
  • Offenheit und Vertrauen sind wichtig, damit die Methode wirken kann.

Typische Fragen und Probleme die sich bearbeiten lassen

Systemische Familienaufstellungen eignen sich besonders für Themen, die mit Beziehungen, inneren Konflikten oder wiederkehrenden Mustern zu tun haben. Häufige Anliegen sind:

Familiäre Konflikte:

  • Warum streite ich mich immer wieder mit meinen Eltern oder Geschwistern?
  • Warum fühle ich mich in meiner Familie nicht gesehen oder verstanden?

Beziehungsprobleme:

  • Warum habe ich immer wieder Schwierigkeiten in Partnerschaften?
  • Woher kommt meine Bindungsangst oder emotionale Abhängigkeiten
  • Warum suche ich mir immer wieder ähnliche Partner

innere Blockaden und Glaubenssätze

  • Warum fühle ich mich ständig verantwortlich für andere?
  • Woher kommt mein Helfersyndrom oder mein schlechtes Gewissen?

Traumata und Verluste

  • Wie kann ich den Verlust eines Familienmitglieds besser verarbeiten?
  • Wie beeinflusst ein früheres Trauma mein heutiges Verhalten?

Generationsübergreifende Muster

  • Gibt es Verhaltensweisen, die sich in meiner Familie über Generationen wiederholen?
  • Wie kann ich mich von alten Mustern lösen?

Mögliche Lösungen

Die Lösung entsteht oft nicht durch direkte Antworten, sondern durch neue Perspektiven, emotionale Klärung und innere Entlastung. Mögliche Wirkungen sind:

Erkenntnis und Verständnis

  • Verborgene Dynamiken werden sichtbar ( z.B. Loyalitäten, Schuldgefühle, Ausgrenzungen).
  • Der Ursprung eines Problems wird erkannt – oft liegt er nicht im Heute, sondern in der Familiengeschichte.

Emotionale Entlastung

  • Gefühle wie Wut, Trauer oder Schuld dürfen Raum bekommen und sich verändern.
  • Der Klient kann sich innerlich von belastenden Rollen oder Erwartungen lösen.

Neue Handlungsmöglichkeiten

  • Beziehung können neu gestaltet werden – mir mehr Klarheit und Selbstverantwortung.
  • Der Klient gewinnt Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, ohne alte Muster zu wiederholen.

Konkrete Beispiele

  • Frage: Warum fühle ich mich ständig kritisiert und nicht gut genug? Lösung: In der Aufstellung zeigt sich, dass die Mutter selbst nie Anerkennung erfahren hat. Der Klient erkennt, dass die Kritik nicht persönlich gemeint ist – und kann sich innerlich abgrenzen.
  • Frage: Warum ziehe ich mich zurück, wenn jemand mir nahekommt? Lösung: Die Aufstellung zeigt, dass ein früher Verlust ( z.B. ein verstorbener Elternteil ) unbewusst wirkt.
  • Frage: Warum fühle ich mich für das Glück meiner Eltern verantwortlich? Lösung: Der Klient erkennt, dass er als Kind eine „Elternrolle“ übernommen hat, Durch einen Lösungssatz wie “ Ich bin das Kind, ihr seid die Eltern“ kann er diese Verantwortung zurückgeben.

Wichtige Techniken in systemischen Familienaufstellungen

1. Stellvertretung durch Personen

      • Andere Teilnehmer*innen übernehmen die Rolle von Familienmitgliedern oder inneren Anteilen
      • Sie werden intuitiv im Raum positioniert, um Beziehungen und Spannungen sichtbar zu machen.

      2. Räumliche Aufstellungen

      • Die Positionen im Raum spiegeln emotionale Nähe, Distanz oder Konflikte wider.
      • Der Klient stellt die Stellvertreter*innen so auf, wie es sich für ihn „richtig“ anfühlt- oft intuitiv und ohne viel Nachdenken.

      3 .Phänomenologische Wahrnehmung

      • Die Stellvertreter*innen berichten, was sie fühlen oder wahrnehmen – ohne Interpretation.
      • Diese Aussagen geben Hinweise auf verborgene Dynamiken im Familiensystem.

      4 .Lösungssätze

      • Die Aufstellungsleitung schlägt sogenannte „Lösungssätze“ vor – z.B. „Ich gebe dir deinen Schmerz zurück“ oder “ Ich achte dein Schicksal.
      • Diese Sätze können emotionale Klärung und Versöhnung ermöglichen.

      5. Bewegungen der Seele

      • Die Aufstellungsleitung beobachtet, ob sich Stellvertreter*innen spontan bewegen oder bestimmte Impulse zeigen.
      • Diese Bewegungen gelten als Ausdruck tiefer innerer Prozesse und können zur Lösung führen.

      6. Strukturaufstellungen

      • Statt Familienmitglieder werden abstrakte Elemente wie „Entscheidungen“, “ Angst“ oder „Beruf“ aufgestellt.
      • Diese Technik eignet sich besonders für berufliche oder persönliche Fragestellungen.

      Alle Techniken dienen dazu, verdeckte Muster sichtbar zu machen, emotionale Entlastung zu ermöglichen und neue Perspektiven zu eröffnen – oft mit erstaunlicher Tiefe und Wirkung.

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